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Wer kennt sie nicht, die Backshops der Wiener Feinbäckerei Heberer GmbH aus Mühlheim am Main, die auf Flughäfen, Bahnhöfen oder in Einkaufszentren ihre Backwaren verkaufen. Seit 1. August 2011 verkauft Heberer als erster deutscher Bäcker aber auch Anleihen seines Unternehmens zu einem Stückpreis von 1000 Euro und verspricht dafür einen jährlichen Zinsertrag in Höhe von 7% über eine Laufzeit von 5 Jahren. Nach eigenen Angaben der Bäckereikette wurden allerdings erst 600 der Teilschuldverschreibungen verkauft und damit nur die Hälfte des anvisierten Zieles von 12 Millionen Euro Einnahmen erreicht. Offenbar sind die Kunden eher skeptisch und trauen dem Brötchen nicht so recht.

Auch wenn Heberer mit dem Slogan „Brot wird immer gegessen“ seine Anleihe bewirbt; auch Großbäcker sind schon pleite gegangen, beispielsweise die Großbäckerei Richard Hermann und die Großbäckerei Sondermann-Brot. Eine Anleihe unterliegt immer dem Emittentenrisiko und damit der Gefahr, dass eingezahltes Geld im Falle einer Insolvenz nicht zurückgezahlt werden kann. Diese bittere Erfahrung mussten erst vor Kurzem die Anleger der Pauly Biskuit AG aus Dessau machen, welche vor wenigen Wochen Insolvenz angemeldet hat, worüber wir auf dieser Seite schon berichtet haben.

Anleger sollten sich deshalb unbedingt einen Überblick über die wirtschaftliche Lage der Emittentin schaffen. Die Feinbäckerei Haberer weist im Verkaufsprospekt zum Beispiel auf den harten Konkurrenzdruck in der Branche hin. Außerdem soll die Miete für die vielen Standorte in Zukunft steigen. Darüber hinaus wird sich der Finanzbedarf noch einmal um neun Millionen Euro erhöhen, wenn Ende 2013 Kredite fällig werden. Schließlich stehen noch für acht Jahre Steuern und Sozialversicherungsbeiträge aus, über deren Höhe der Prospekt keine Angaben macht. Die Anleihe ist also nicht gerade wenig riskant. Kein Wunder also, dass sie mit einem Zinssatz von 7 % ausgestattet ist. Jeder Anleger muss selber entscheiden, ob ihm diese Risikoprämie ausreicht.

Beachtet werden muss noch, dass Emittentin nicht die 121 Jahre alte  Heberer GmbH & Co. KG, sondern die erst 1990 gegründete Thüringer Spezialitäten GmbH ist, die nach einer schweren Krise (8,416 Millionen Euro Verlust zum Ende 2009) mit der in Mühlheim am Main existierenden Wiener Feinbäckerei Heberer GmbH verschmolzen wurde.

Wir raten beim Erwerb von Finanzprodukten grundsätzlich zu einer unabhängigen Beratung und genauen Information über das jeweilige Produkt.

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Die Anleger der MTV V British Life GmbH & Co. KG (MTV) erhielten Anfang April 2012 einen Brief, der Ihnen das Desaster ihrer Anlage klar vor Augen führt. Die MTV teilt mit, sie rechne damit, dass die Anleger nur 66,56 % Ihrer Einlage zurück erhalten werden. Dieser Verlust erhöht sich für die Anleger noch um das Agio von 5 %, das beim Erwerb der Beteiligung zu zahlen war. Es wird also nichts mit der den Anlegern beim Verkauf der Beteiligungen prognostizierten Rendite von 10,31 % pro Police.

Bei der MTV handelt es sich um einen geschlossenen Fonds, der mit „gebrauchten“ Britischen Lebensversicherungen handelt, die sich auch aufgrund der Finanzkrise sehr schlecht entwickelt haben. Bei den bis zum 31.12.2011 verkauften oder fällig gewordenen Policen wurde ein Verlust von durchschnittlich 7,95 % erzielt. Bei einzelnen Policen betrug der Verlust sogar über 25%. Dass das Endergebnis voraussichtlich noch viel schlechter ausfallen wird, liegt wahrscheinlich auch daran, dass die Kosten für die Verwaltung des Fonds von jährlich ca. 130.000 EUR stark ins Gewicht fallen.

Die Beteiligungen wurden unter anderem von der Postbank Finanzberatung AG vertrieben. Gegen diese hat unser Mitglied Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Kai Malte Lippke, Leipzig, für einen 75-jährigen Anleger beim Landgericht Leipzig eine Klage auf Rückabwicklung der Beteiligung wegen fehlerhafter Kapitalanlagenberatung erhoben. Hierin wird der Postbank Finanzberatung AG zum Einen vorgeworfen, dass die Beteiligung nicht zum Alter und den Vermögensverhältnissen des Anlegers passt, zum Anderen, dass der Berater der Postbank Finanzberatung AG nicht über die speziellen Risiken eines Handels mit gebrauchten britischen Lebensversicherungen aufgeklärt hat. Das Gericht hat auf den 14.06.2012 einen Verhandlungstermin angesetzt.

Die Anlegerschutzanwälte e.V. raten betroffenen Anlegern in Lebensversicherungs­fonds, sich beraten zu lassen.

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Donnerstag, den 05. April 2012 um 15:50 Uhr

Pauly Biskuit AG insolvent

Es kam, wie es kommen musste. Nachdem die Pauly Biskuit AG die im Februar fälligen Zinsen einer Anleihe nicht bezahlte und ihre Firma in 1. Dessauer Beteiligungs AG änderte sowie ihren Sitz nach Herford an eine Adresse verlegte, unter der sich nur ein Briefkasten befand, hat nun das Amtsgericht Celle mit Beschluss vom 22. März 2012 Herrn Rechtsanwalt Tim F. Gätcke aus Celle als vorläufigen Insolvenzverwalter eingesetzt.

Dessen Aufgabe wird es unter anderem sein, sich genauer die Vorgänge anzusehen, die dazu führten, dass die Dessauer Produktionsstätte der ehemaligen Pauli Biskuit AG heute von der Pauly Biskuit & Chocolate Vertriebs- und Handelsgesellschaft mbh & Co. KG betrieben wird, die mit der Pauly Biskuit AG nichts zu tun haben will. Möglicherweise kann der Insolvenzverwalter Verträge, die zu Lasten der Pauly Biskuit AG geschlossen wurden, durch Insolvenzanfechtungen rückgängig machen.

Nach Mitteilungen im Internet ermittelt außerdem bereits die Staatsanwaltschaft, ob es bei der Pauly Biskuit AG mit rechten Dingen zugegangen ist.

Wer für die Ansprüche der Anleger haftet, wird hoffentlich in Kürze aufgeklärt werden. Dann geht wahrscheinlich ein Windhundrennen los, denn bei der Verfolgung von Schadensersatzansprüchen wegen fehlgeschlagener Kapitalanlagen gelingt es oft nur den Schnellsten, ihren Schaden wieder auszugleichen. Wir empfehlen daher betroffenen Anlegern, dass sie einen Spezialisten für Bank- und Kapitalanlagenrecht damit beauftragen, in der Sache am Ball zu bleiben.

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