Anlegerschutzanwälte

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Die deutschen Bausparkassen haben nach Medienberichten seit 2013 in über 50.000 Fällen Bausparverträge einseitig gekündigt, um die angesparten Guthaben nicht weiter verzinsen zu müssen. Nach der Auffassung der Anlegerschutzanwälte dürften diese Kündigungen in vielen Fällen rechtswidrig sein. Betroffene Verbraucher sollten sich daher gegen das Verhalten der Bausparkassen wehren. Wer sich nicht wehrt, verliert nicht nur den Anspruch auf die Verzinsung seines Guthabens, sondern auch und vor allem die Option auf das Bauspardarlehen, die sich in der Zukunft als sehr wertvoll erweisen könnte.

Den Bausparkassen und angeblich auch der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sind die aus heutiger Sicht hohen Zinsen ein Dorn im Auge, die die Bausparkassen auf die angesparten Guthaben der Kunden zahlen müssen. Dieser Belastung wollen sich bisher die Wüstenrot, die LBS Bayern und die LBS West durch die massenhafte Kündigung der alten Bausparverträge entledigen. Sollten sie damit Erfolg haben, dürften weitere Bausparkassen nachziehen.

Als Begründung für die Kündigungen wird regelmäßig auf ein gesetzliches Kündigungsrecht für Darlehen nach dem Ablauf von zehn Jahren verwiesen. Damit ist aus Sicht unseres Mitglieds Rechtsanwalt Tobias Pielsticker aus München aber keine einzige Kündigung eines Bausparvertrages zu rechtfertigen. Denn der eigentliche Kern jedes Bausparvertrages ist der An-spruch auf ein zinsgünstiges Bauspardarlehen, der in der Regel ohne zeitliche Beschränkung erworben wurde. Der Bundesgerichtshof sprach dazu in einem Urteil vom 07.12.2010 zutreffend davon, dass der Bausparer eine Option er-wirbt, später ein Darlehen ohne Rücksicht auf die Zinsentwicklung am Kapitalmarkt zu einem bei Abschluss festgelegten Zinssatz zu erhalten, Aktenzeichen XI ZR 3/10.

Für diese Option zahlte der Bausparer in doppelter Weise. Zunächst mit der Abschlussgebühr von regelmäßig 1% der Bausparsumme und weiter mit einer Verzinsung seines angesparten Guthabens zu einem Zinssatz, der bei Abschluss deutlich unter den Zinssätzen für Tages- oder Festgelder lag. „Es ist skandalös, wenn sich eine Bausparkasse heute einer Verpflichtung gegenüber dem Kunden entziehen will, für die der bereits viel gezahlt hat“, kommentiert Rechtsanwalt Pielsticker diese Situation.

Natürlich haben sich die Verhältnisse seit dem Abschluss der Bausparverträge gewandelt. Aber diese Möglichkeit war immer bekannt und lag der Abrede der Vertragsparteien daher von Anfang an zugrunde. Gegenwärtig ist es für die Bausparer nicht attraktiv, Bauspardarlehen zu Zinssätzen abzurufen, wie sie vor 10 oder mehr Jahren vereinbart wurden. Die aktuellen Marktzinsen liegen weit tiefer. Das wird aber nicht für immer so bleiben und zukünftig kann der Anspruch auf das Bauspardarlehen damit wieder an Wert gewinnen. Es ist daher eine richtige Entscheidung, das Bauspardarlehen gegenwärtig nicht abzurufen, sondern sich diese Option für einen späteren Zeitpunkt offen zu halten.

Die Kündigungen der Bausparkassen sollen diese Optionen vernichten, obwohl sie meist ohne zeitliche Beschränkung vereinbart und durch den Kunden bereits vollständig bezahlt wurden. Das sollten die Kunden nicht klaglos und ohne eine Prüfung ihrer Rechte hinnehmen. In vielen Fällen dürften die Kündigungen der Bausparkassen rechtswidrig und damit unwirksam sein. Darauf muss sich der Kunde aber in jedem Einzelfall berufen.

Die Anlegerschutzanwälte empfehlen daher, die Kündigung eines Bausparvertrages durch eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt mit einschlägigen Kenntnissen überprüfen zu lassen.

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In einem von unserem Mitglied Rechtsanwalt Ulrich Husack, Hamburg, geführten Verfahren ging es um Folgendes:

2004 las der Anleger in einer Mitteilung der SPARDA-Bank Hamburg, dass eine Anlage in einen Schiffsfonds (Santa-L Schiffe von MPC) eine gute Geldanlage sei und ließ sich von einem Mitarbeiter der SPARDA-Bank Hamburg beraten

Seitens der Bank wurde behauptet, dass der Berater ausdrücklich von der Anlage abgeraten habe, da der Anleger seine Vermögensverhältnisse nicht habe offenbaren wollen.

Unstreitig erhielt die SPARDA-Bank Hamburg aber ein Vertriebsentgelt seitens des Fonds (sog. Rückvergütung oder „Kick-Back“) ohne den Anleger auf die genaue Höhe ihrer Provision hinzuweisen. Die Bank behauptete allerdings im Gegensatz zum Anleger, dass auf den Anfall einer Provision für die Bank „an sich“ hingewiesen worden sei.

Das Gericht sah trotz des angeblichen Rates des Bankmitarbeiters, die Beteiligung nicht zu zeichnen eine Schadenersatzpflicht als gegeben an, da nicht auszuschließen sei, dass der Anleger in Kenntnis der Höhe der Kick-Back-Provision von der Zeichnung abgesehen hätte.

Das Gericht entschied auch, dass im Hinblick auf eine mögliche Verjährung von Schadenersatzansprüchen der Anleger schon deshalb nicht grob fahrlässig gehandelt habe, weil der Bank der Beweis nicht gelungen sei, dass er überhaupt auf den Anfall eines Vertriebsentgeltes hingewiesen wurde.

Auch durch die unstreitige Übergabe des Prospektes und des Zeichnungsscheines einen Tag vor der Zeichnung könne keine Kenntnis des Provisionsanfalles unterstellt werden, weil kein weiteres Beratungsgespräch vorgesehen und der Anleger nicht verpflichtet gewesen sei, den Prospekt minutiös zu lesen, um die Angaben des Beraters zu überprüfen. Zudem sei der Hinweis auf Provisionsflüsse an die Bank im Prospekt nicht eindeutig gewesen.

Schon in erster Instanz vor dem Landgericht Hamburg (302 O 187/13) unterlag die SPARDA-Bank Hamburg. Nun scheiterte auch ihre Berufung. Die Revision zum Bundesgerichtshof wurde durch das OLG nicht zugelassen, so dass die SPARDA-Bank Hamburg nunmehr am 29.10.2014 rechtskräftig zum Schadenersatz verurteilt wurde (13 U 83/14).

 

 

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Dienstag, den 28. Oktober 2014 um 20:46 Uhr

BGH: Bearbeitungsgebühren bei Darlehen seit 2004 zurückholen

Der Bundesgerichtshof hat am 28.10.2014 entschieden, dass Bearbeitungsgebühren für Verbraucherkreditverträge bis 2004 zurückgefordert werden können

Vor Kurzem hatte der Bundesgerichtshof festgestellt, dass die von Banken formularmäßig erhobenen Bearbeitungsgebühren für Verbraucherdarlehen unzulässig sind. Offen blieb dabei aber die wichtige Frage, ob der Anspruch des Darlehensnehmers auf Erstattung von vor dem 1. Januar 2011 verlangten Bearbeitungsgebühren verjährt ist. Etliche Banken hatten sich daher mit der Behauptung, der Erstattungsanspruch sei verjährt, weiterhin geweigert, die Gebühren zu erstatten.

Heute hat der Bundesgerichtshof unter den Aktenzeichen XI ZR 17/14 und XI ZR 348/13 festgestellt, dass die dreijährige Verjährungsfrist für Rückforderungsansprüche erst mit dem Schluss des Jahres 2011 zu laufen begann, weil Darlehensnehmern die Erhebung einer Rückforderungsklage aufgrund der unklaren Rechtslage nicht vor 2011 zumutbar war. Daher können Bearbeitungsgebühren, die nach dem 27.10.2004 gezahlt wurden, zurück verlangt werden. Dieser Tag verschiebt sich ab heute täglich um einen Tag. Morgen können also nur noch die nach dem 28.10.2004 gezahlten Bearbeitungsgebühren zurück  verlangt werden.

Aus den Urteilen folgt aber auch, dass Bearbeitungsgebühren, die zwischen dem 28.10.2004 und dem 31.12.2011 gezahlt wurden, noch dieses Jahr eingeklagt werden müssen, weil der Erstattungsanspruch Ende dieses Jahr verjährt.

Die Anlegerschutzanwälte empfehlen: Da es sich wahrscheinlich um hunderttausende Fälle handelt, sollten sich Betroffene umgehend melden, damit noch möglichst viele Erstattungsansprüche vor dem Jahresende gesichert werden können.

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Donnerstag, den 11. September 2014 um 14:13 Uhr

Nachzahlung bei variablen Sparverträgen

Viele Banken und Sparkassen bieten langfristige Sparformen an, bei denen die Sparraten  variabel verzinst werden und am Ende der Laufzeit eine hohe Bonuszahlung winkt. Die Banken passen die Zinsen nach den Gegebenheiten am Markt an. In vielen älteren Verträgen war nicht erkennbar, nach welchen Kriterien diese Anpassung erfolgte. Bereits 2004 hatte der Bundesgerichtshof entschieden, dass vertragliche Regelungen, die es der Bank nach eigenem Ermessen erlauben, den Zinssatz zu verändern, unzulässig sind. Seitdem streiten sich Banken und Sparer darum, mit welchem Zinssatz die Sparverträge anstatt dessen abzurechnen sind. Unsere Mitglieder haben vor verschiedenen Gerichten erhebliche Nachzahlungen für Sparer durchgesetzt, weil die Gerichte die Verträge mit anderen Vergleichszinsen neu abgerechnet haben. Nun hat auch das Oberlandesgericht Köln entschieden, dass die Deutsche Bank auf 24 Sparverträge ca. 70.000 € Zinsen nachzuzahlen hat. Unser Mitglied, Rechtsanwältin und Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht Petra Ladenburger aus Köln, hatte das Verfahren zuvor erfolgreich bis zum Bundesgerichtshof getrieben, um die Wahl des richtigen Referenzzinssatzes zu erreichen (BGH, Urteil vom 21.12.2010 - XI ZR 52/08). Der Bundesgerichtshof hat klargestellt, dass nicht die Bank bestimmen darf, welcher Zinssatz Maßstab der Anpassung sein soll, sondern dass dieser Maßstab vom Gericht festzusetzen ist. Ein Sachverständiger hat nun ermittelt, welcher Zinssatz am besten mit den vertraglichen Besonderheiten zu vereinbaren ist und wie die Verträge neu abzurechnen sind.


Wir empfehlen daher, langfristige Sparverträge überprüfen zu lassen, um kein Geld zu verschenken. Da vor allem alte Verträge betroffen sind, ist die Verjährung der Nachzahlungsansprüche häufig ein Problem. Der Lauf der in der Regel drei-, maximal jedoch zehnjährigen Verjährungsfrist beginnt mit dem Ablauf des Vertrages.

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Unser Mitglied aus Paderborn, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Michael Gerhard, warnte schon am 04. Juni 2012 vor der World Business Sparkasse. Am 14.07.2014 verurteilte nun das Landgericht Paderborn, nachdem es gegen den nicht auffindbaren Til Christian H. am 15.05.2014 ein Versäumnisurteil erlassen hatte, die anderen Hintermänner Andreas H. aus Paderborn und Horst U. aus Lauenförde als Gesamtschuldner auch mit Til Christian H. wegen vorsätzlich unerlaubter Handlung zum Schadenersatz.

Das Gericht geht davon aus, dass Horst U. als Anlagevermittler die ihn treffenden Prüfung- und Aufklärungspflichten vorsätzlich verletzt hat. Der Vermittler schulde eine richtige und vollständige Information über die tatsächlichen Umstände, die für den Anlageentschluss des Interessenten von besonderer Bedeutung sind. Auch müsse der Vermittler das Anlagenkonzept wenigstens auf Plausibilität und insbesondere auf wirtschaftliche Tragfähigkeit prüfen, da er ansonsten keine sachgerechten Auskünfte erteilen könne. Das Gericht sah es schon nach den Angaben des Vermittlers Horst U. als erwiesen an, dass er diese Pflichten verletzt habe, weil er in mündlicher Verhandlung zugestanden habe, das Investment nicht auf Plausibilität überprüft zu haben, ohne den Anleger darauf hinzuweisen. Vielmehr habe er dem Kläger gegenüber vorgespielt, die Anlage sei sicher und unterliege einer Einlagensicherung. Durch sein Verhalten habe Horst U. dem Kläger in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Art und Weise vorsätzlich einen Schaden zugefügt, so dass die Haftung auf vorsätzlich unerlaubter Handlung beruhe. Der Schaden sei auch objektiv sittenwidrig herbeigeführt worden, weil es sich nicht um ein seriöses Investment, sondern um ein betrügerisches Schneeballsystem gehandelt habe. Er sei als gelernter Versicherungskaufmann in der Lage gewesen, einzuschätzen, ob seriöse Geschäfte innerhalb kurzer Zeit eine entsprechende Rendite abwerfen könnten.

Andreas H., gelernter Koch und „Direktor“ der World Business Sparkasse wurde wegen Kapitalanlagebetruges gemeinschaftlich mit den übrigen Beklagten verurteilt, weil er sich die von Horst U. begangene Täuschungshandlung zurechnen lassen müsse. Das Gericht ging von einem gemeinsamen Tatplan des Andreas H. und des Til Christian H. aus. Letzterer habe die „Geschäftsidee“ gehabt und das Konzept der World Business Sparkasse entwickelt. Andreas H. habe jedoch die Word Business Sparkasse (mit-) gegründet und sich als deren Direktor ins englische Register eintragen lassen. Er habe dafür seine Unterschrift abgegeben. Andreas H. habe gewusst, dass Gelder investiert würden. Er habe darauf Zugriff gehabt, jedoch nichts dazu sagen können, wie die Gelder investiert würden. Aufgrund seiner Zugriffsmöglichkeit auf das Konto habe ihm klar sein müssen, dass die Gelder in Wahrheit nicht investiert würden. Auch das Nachtatverhalten des Andreas H. gereiche diesem nach Auffassung des Landgerichts Paderborn zum Nachteil, da er einen Rechtsanwalt beauftragte, um dem Kläger mitzuteilen, das Geld sei wie vereinbart angelegt und die Rückzahlung werde zu einem bestimmten Zeitpunkt erfolgen. Auch umfangreicher Schriftverkehr mit Vertröstungen des Andreas H., der immer wieder von seinem „Partner“ sprach, ließ das Gericht davon ausgehen, dass dessen Behauptung, er habe nicht gewusst, dass Anleger getäuscht werden sollten, eine nicht glaubhafte Schutzbehauptung sei. Das Gericht urteilte, dass auch Andreas H. vorsätzlich und in Bereicherungsabsicht gehandelt habe.

Ein ähnliches Strickmuster zeichnet sich auch betreffend die Firmen H-U-S Deutschland, Bowdell Investments L. P., Schottland und bei der Firma Capital Management System, Spanien, ab, an denen zumindest teilweise die Beklagten aus dem Paderborner Verfahren beteiligt zu sein scheinen.

Der Anlegerschutzanwälte e. V. rät allen betroffenen Anlegern, die vorgenannten Unternehmen Beträge überwiesen haben, sich umgehend anwaltlich beraten zu lassen.

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Die Erfahrung von hunderten Fällen, die wir bereits bearbeitet haben, zeigt, dass die Banken Widerrufe von Darlehensvertägen häufig mit falschen Begründungen zurückweisen. Zum Beispiel wird oft behauptet, dass die Widerrufsbelehrung den Wirksamkeitsschutz nach § 14 Abs. 1 BGB-InfoV genieße, weil die vorgenommenen Änderungen nur marginal seien oder weil damit nur Fehler der Muster-Widerrufsbelehrung behoben worden wären oder weil die Änderungen für das Unterlassen des Widerrufes nicht kausal geworden seien.

Dass es sich hierbei nur um fadenscheinige Ausreden handelt, zeigt ein neueres Urteil des Bundesgerichtshofes. Dieser hat am 18.03.2014 nämlich entschieden, dass sogar das Ersetzen der unklaren Bestimmung der Muster-Widerrufsbelehrung („Die Frist beginnt frühestens mit Erhalt dieser Belehrung.“) durch eine inhaltlich eindeutige Bestimmung („Die Frist beginnt einen Tag, nachdem Sie diese Belehrung, eine Abschrift Ihrer Beitrittserklärung sowie den atypisch stillen Gesellschaftsvertrag (im Emissionsprospekt enthalten) erhalten haben.“) dazu führt, dass sich der Unternehmer nicht auf den Wirksamkeitsschutz berufen kann. Eine Widerrufsbelehrung genießt daher nur dann Wirksamkeitsschutz, wenn sie sowohl grafisch als auch inhaltlich vollständig der Muster-Widerrufsbelehrung entspricht.

Falls auch die Widerrufsbelehrung Ihres Darlehensvertrages falsch ist, was wir gerne für Sie überprüfen, sollten Sie sich daher von Ihrer Bank nicht „ins Boxhorn jagen lassen“, sondern Ihr Recht den Darlehensvertrag zu widerrufen, dazu nutzen, eine günstigere Finanzierung zu erhalten oder das Darlehen abzulösen, ohne eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen zu müssen.

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Dienstag, den 17. Juni 2014 um 09:24 Uhr

Widerruf eines bereits titulierten Kredits möglich

Landgericht Bielefeld untersagt Vollstreckung einer Darlehensforderung nach Widerruf des Darlehensvertrages.

In einem Verfahren vor dem Landgericht Bielefeld, welches unser Mitglied Rechtsanwältin Juliane Brauckmann aus Bielefeld führte, erlitt jetzt das Inkassobüro der Targobank AG eine Schlappe.

Das Landgericht Bielefeld entschied am 30. April dieses Jahres (Az. 18 O 264/13), dass das Inkassobüro, welches die Forderung von der Targobank übernommen hatte, aus einem vorliegenden Urteil nicht weiter vollstrecken darf.

Dem Verfahren lag zugrunde, dass Rechtsanwältin Brauckmann für den Kläger einen Widerruf des Kredits erklärt hatte. Der Widerruf erfolgte drei Jahre, nachdem der Kläger durch Urteil des Landgerichts Bielefeld verurteilt worden war, der damals noch unter dem Namen Citibank firmierenden Targobank einen Kreditbetrag in Höhe von 36.983,55 € nebst Zinsen zurück zu zahlen, der wegen Zahlungsverzuges fällig war.

Im Jahr 2012 wurde dann der Widerruf erklärt. Wie in vielen derzeit noch laufenden Kredi­ten war die Widerrufsbelehrung fehlerhaft, was dazu führt, dass die Widerrufsfrist noch nicht abgelaufen ist.

Die Besonderheit an diesem Verfahren war, dass über die Kreditforderung bereits ein rechtskräftiges Urteil vorlag. Die Rechtsfrage, die bisher vom Bundesgerichtshof noch nicht entschieden worden ist, ist, ob der Widerruf auch dann noch erklärt werden kann, wenn bereits ein Urteil gegen den Kreditnehmer vorliegt. Vor einer Gesetzesänderung im Jahr 2002 war dies nicht möglich. Damals hätte der Widerruf spätestens in dem Prozess erklärt werden müssen. Jetzt ist der Widerruf aber so ausgestaltet, dass er den Vertrag in ein Abwicklungsverhältnis umgestaltet.

Das Gericht hat betont, dass unter Berücksichtigung der europarechtlichen Vorgaben, viel dafür spreche, dass ein Widerruf heute zeitlich unbefristet ist. Deshalb sei ein Widerruf auch noch dann möglich, wenn bereits ein Urteil vorliege. Der Kläger muss jetzt einen Betrag von rd. 22.000,- € nicht zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Wir raten deshalb, Kreditverträge auch dann überprüfen zu lassen, wenn bereits ein Urteil oder Vollstreckungsbescheid vorliegt.

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Bundesgerichtshof entscheidet zu Bearbeitungsentgelten bei Kreditverträgen

Bearbeitungsentgelte bei Kreditverträgen sind nach den aktuellen Urteilen des BGH vom 13. Mai 2014 gegen die Postbank und die Nationalbank in Essen unzulässig. Egal ist dabei, ob sie im Preisverzeichnis oder im Kreditvertrag selber stehen. Verbraucher können die zu Unrecht einbehaltenen Entgelte zurückfordern.

Bei Verträgen, die ab dem 01.01.2011 geschlossen wurden, ist die Rückforderung bis 31.12.2014 unproblematisch, da dann noch kein Verjährungsproblem besteht. Bei älteren Verträgen ist noch nicht geklärt, wann Rückforderungen verjähren. Dies wird der BGH zu einem späteren Zeitpunkt klären.

Betroffen sind nicht nur "normale" Konsumentendarlehen, sondern insbesondere auch Immobilienkredite. Bei Immobilienkrediten sollte zudem geklärt werden, ob diese wegen falscher Widerrufsbelehrungen ohne Vorfälligkeitsentschädigung widerrufen werden können.

Sollten Banken und Sparkassen bei Rückforderungen trotz der BGH-Urteile noch Probleme machen, stehen die Mitglieder der Anlegerschutzanwälte e.V. für eine Beratung und Vertretung zur Verfügung.

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Die Anlegerschutzanwälte e.V. hatten bereits berichtet, dass das Amtsgericht Düsseldorf eine Klage der MUC Exclusive GmbH (früher Medius Exclusive GmbH) gegen eine von unserem Mitglied Rechtsanwältin Stefanie Fandel vertretene Mandantin wegen einer Forderung aus einer Vermittlungsgebührenvereinbarung im Zusammenhang mit dem Abschluss einer Atlanticlux-Lebensversicherung abgewiesen hat. Außerdem wurde die MUC Exclusive GmbH auf die Widerklage der Mandantin zur Rückzahlung der bereits auf die Vermittlungsgebührenvereinbarung geleisteten Raten verurteilt.

Die MUC Exclusive GmbH wollte das Urteil des AG Düsseldorf nicht akzeptieren und ging in Berufung. Doch auch beim Landgericht Düsseldorf konnte sie mit ihrer Argumentation nicht punkten und verlor.

Das Landgericht Düsseldorf (Urteil v. 2.4.2014) bestätigte in allen Punkten das erstinstanzliche Urteil. „Ein toller Erfolg, über den ich mich für unsere Mandantin besonders freue!“, so Rechtsanwältin Stefanie Fandel.

Zu Vergütungsvereinbarungen oder sog. Nettopolicen, die auch von Anbietern wie Deutscher Atlas Finanzdienstleistungen AG, mira 2000 marketing GmbH, Prisma Life AG oder Omega Finanzdienstleistungen AG verwendet werden, beraten Sie die Mitglieder der Anlegerschutzanwälte e.V. gerne.

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Mittwoch, den 28. Mai 2014 um 11:16 Uhr

Clerical Medical erneut zu Schadenersatz verurteilt

Landgericht Bielefeld spricht Anleger Schadenersatz zu
Die britische Lebensversicherungsgesellschaft Clerical Medical Investment Group Ltd. (CMI) ist mit Urteil des Landgerichts Bielefeld vom 11.04.2014 zur Leistung von Schadenersatz in voller Höhe verurteilt worden. Gleichzeitig muss CMI den in Bielefeld lebenden Kläger von den Pflichten aus den mit der Sparkasse Köln/Bonn geschlossenen Darlehensverträgen freistellen.
Damit ist das Landgericht Bielefeld voll umfänglich dem Vortrag des Klägervertreters, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Patrick M. Zagni, Stuttgart, gefolgt. Herr Rechtsanwalt Patrick M. Zagni ist Mitglied des Vereins Anlegerschutzanwälte e.V.
Der Kläger wurde Ende 2001 durch einen Finanzberater dafür geworben, eine Kapitalanlage in Form der von der Schnee-Gruppe entwickelten „Sicherheits-Kompakt-Rente“ (SKR) zu tätigen.
Bei diesem Anlagemodell zahlt der Anleger das Kapital, das weitestgehend kreditfinanziert ist, zu einem Teil in Form eines Einmalbetrages in einen Rentenversicherungsvertrag ein, aus dem dann sofort Auszahlungen erfolgen sollen. Mit diesen Auszahlungen sollen die anfallenden Darlehenszinsen zumindest zum Großteil bezahlt werden.
Ein größerer Teil des Kapitals wird als Einmalzahlung in eine Kapitallebensversicherung investiert, die als „Tilgungsinstrument“ dienen soll, d.h. bei Auszahlungsreife  soll mit der Leistung aus dieser Lebensversicherung das Darlehen getilgt werden. Als Tilgungsinstrument empfahl der Berater dem Kläger die von der CMI damals gegen Zahlung eines Einmalbetrages angebotene Kapitallebensversicherung „Wealthmaster Noble“.
Diese Versicherung ist nach dem so genannten „With-Profits-Modell“ konzipiert: der Versicherungsnehmer erhält – fiktive – Poolanteile zugewiesen, die für die Berechnung eines vertraglichen Leistungsanspruchs dienen. Die den Pools zugrunde liegenden Vermögenswerte  des „With-Profits-Funds“ bleiben im Eigentum der Versicherungsgesellschaft, also der CMI.
Die Beklagte legt in regelmäßigen Abständen einen so genannten „deklarierten Wertzuwachs“ fest, der den Wert des einzelnen Poolanteils erhöht bzw. erhöhen soll. Der Vertragswert des Anlegers ist das Produkt aus der Anzahl der ihm zugewiesenen Poolanteile und dem Anteilswert. Es können Anteile von dem Vertrag abgezogen werden, um z.B. anfallende Gebühren zu decken.
Das Landgericht Bielefeld sieht eine Pflichtverletzung der CMI darin, dass sie trotz der bei ihr vorhandenen Kenntnis von dem zu erwartenden Nichteintreten der diesem Konzept zugrunde liegenden Prognosen und der damit begründeten Gefahr der finanziellen Schädigung der Anleger gleichwohl bei Neukunden nicht überprüft hat, ob die Vermittler die Warnungen an die Kunden weitergegeben haben.  Auch die Neukunden wurden nicht darauf hingewiesen, dass das von der CMI konzipierte Altersvorsorgemodell mit erheblichen Spekulationsrisiken behaftet gewesen ist.
Zudem hat die CMI ihre Aufklärungspflichten dadurch verletzt, dass dem Kläger durch die Untervermittler ein in tatsächlicher Hinsicht unzutreffendes, zu positives Bild der Renditeerwartung für die Lebensversicherung vermittelt worden ist. Das Gericht verwies hierbei auf die dem Kläger vorgelegten Musterberechnungen, wonach mit Renditen aus der Lebensversicherung von mindestens 7,25 % p.a. zu rechnen sei, obwohl dies bereits zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht mehr realistisch gewesen ist.
Aufgrund des begründeten Schadenersatzanspruches des Klägers muss CMI ihm die in der Vergangenheit geleisteten Raten von über EUR 100.000,00 zurückzahlen und ihn zudem von den Darlehensverbindlichkeiten bei der Sparkasse Köln/Bonn freistellen.
Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig.
Die Mitglieder der Anlegerschutzanwälte e.V. empfehlen sämtlichen Betroffenen derartiger Rentenmodelle, sich über ihre rechtlichen Möglichkeiten fachkundig beraten zu lassen.

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